Geschichte
Die Entwicklung der katholischen Kirchengemeinde
Thiede-Steterburg
Ein unbedeutender Ort war Steterburg bis zum Aufbau der früheren "Reichswerke Herrmann Göring" und jetzigen Salzgitter AG in den Jahren 1937 - 1945.
Zu einem evangelischen Damenstift, das vor der Reformation ein Augustinerinnenkloster war, gehörte ein Gut mit einigen Wohnhäusern für landwirtschaftliche Saisonarbeiter. Für die wenigen Kinder gab es eine kleine Schule. Das war Alt -Steterburg.
Im Jahre 1927 hatte Kaplan Joseph Müller, der am 11. September 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, in einem kircheneigenen Haus in Thiede eine Kapelle eingerichtet. Das Haus erhielt nach dem Kriege seinen Namen. Doch die St. Georgskapelle war jetzt viel zu klein geworden und lag auch zu weit entfernt von der Steterburger Siedlung.
Pastor Joseph Winter bemühte sich um Notgottesdiensträume. Er fand diese im Gasthaus " Zur Deutschen Eiche " und in einem Klassenzimmer der Schulbaracke von Steterburg. Im November 1941 musste der Wirt den Saal kündigen, da er es nicht mehr wagen konnte, diesen weiter für Gottesdienste zur Verfügung zu stellen. So mussten im Klassenzimmer der Schulbaracke zwei Gottesdienste gefeiert werden, sonst hätten nicht alle Gläubigen teilnehmen können. Dicht gedrängt standen sie zwischen und in den Schulbänken und auch noch auf dem Flur. Als sie am Karfreitag des Jahres 1942 zum Gottesdienst kamen, fanden sie die Schulbaracke verriegelt und versiegelt vor. Auf einem Zettel an der Tür stand: "Wer diese Tür erbricht, landet im KZ ! - Die Gestapo!"
Auch die Gottesdienste in den Dörfern, die nicht in kirchlichen Räumen der evangelischen Gemeinden stattfanden, wurden verboten, da sie nicht angemeldet worden seien(!).
Es war auch unmöglich, Religionsunterricht zu erteilen, da hierfür keine Räume vorhanden waren und auch nicht zur Verfügung gestellt werden durften. Bemühungen des Pastors, ein Grundstück zum Aufstellen einer Kirchenbaracke zu erwerben oder zu pachten scheiterten, da sich keine Stelle für zuständig erklärte. "Stadt ohne Gott" - nach dieser Devise wurde gearbeitet.
Der Krieg ging zu Ende. Die abziehenden amerikanischen Truppen schenkten Pastor Winter die Schulwohnung, die auch noch nicht ganz fertiggestellt war. Diese Wohnung am Beddinger Weg 5 war ein ermutigender Anfang. Wenn auch die Schenkung nicht rechtmäßig war, so verhalf sie doch dem Pastor zu einer Mietwohnung in Steterburg. Die Stadt zeigte weiteres Entgegenkommen, sie stellte den Schulboden der Steterburger Volksschule als Notgottesdienstraum zur Verfügung. Dieser war zwar im Winter mangels Isolierung zu kalt und im Sommer zu warm, doch tat er jahrelang gute Dienste. An einen Kirchbau konnte noch lange nicht gedacht werden, da Demontagen in den Reichswerken, Bauverbote seitens der Alliierten und die Währungsreform überwunden werden mussten.
Im Juni 1951 begannen die Türkollekten für den Kirchbau. Ein Kirchbauverein wurde gegründet, dessen Mitglieder sich zu festen monatlichen Beiträgen verpflichteten. Pfarrer Petrausch, der damals Pastor in Steterburg war, hielt Bettelpredigten in katholischen Gegenden, um Gelder für die Kirche zusammenzutragen. Die Ausschreibungen für den Kirchbau gingen in November 1952 heraus. Nach der Frostperiode und Schlechtwetterzeit wurde am 1. März 1953 der Bau abgesteckt. Am 22. März 1953 sollte die Grundsteinlegung sein. Im letzten Moment wurde sie verschoben, weil der Grundstein für die St. Michaelskirche in Salzgitter-Lebenstedt zuerst gelegt werden sollte. Am 5. April 1953 war es dann endlich so weit. Der Bau schritt rüstig voran. Das Richtfest konnte am 7. Mai 1953 in Anwesenheit des Generalvikars Dr. Offenstein von Hildesheim gefeiert werden.

Zur großen Freude der Gemeinde wurde die neue Kirche am 8. November 1953 durch den Hochwürdigsten Herrn Weihbischof
von Hildesheim, Dr. Johannes Bydoiek, benediziert. Kirchenpatron wurde der hl. Bernward, da die Gründung des Klosters Steterburg im Jahre 1006 auf seine Anregung zurückgeht. Nebenpatronin wurde die hl. Hedwig. Zu ihrer Ehre war schon im Jahre 1321 in Steterburg eine Kapelle gebaut worden.
Ein Jahr später, am 28. 9. 1954, begann der Redemptoristenorden ein Kloster mit Exerzitienhaus zu bauen,
das am 9. Oktober 1955 eingeweiht wurde. Die Patres, die seit der Vertreibung aus dem Osten im Jahre 1946 im Joseph-Müller-Haus in Salzgitter-Thiede wohnten, siedelten nun über in das neu errichtete " Kloster Steterburg".
Gleichzeitig wurde der Provinzial der Redemptoristen vom Hildesheimer Bischof Joseph Godehard gebeten, Patres für die Aufgaben in der Kirchengemeinde zu benennen. - Ab 1956 hat P. Gerhard Pfeiffer das Amt des Pastors inne. Die bisherige Kuratie wurde im Jahre 1962 zur Pfarrei erhoben. Zu ihrem Seelsorgebezirk gehören aus dem Stadtgebiet die Stadtteile Salzgitter-Thiede und Salzgitter-Beddingen; aus dem Landkreis Wolfenbüttel die Ortschaften: Leiferde, Geitelde, Stiddien, Üfingen und Sauingen.
Schauen wir zurück, dann können wir nur Gottes Güte und Vorsehung preisen. Eine Kirche sollte nach dem Willen der nationalsozialistischen Machthaber und Gründer der neuen Industriestadt Salzgitter nie erstehen.
"Stadt ohne Gott" sollte Salzgitter werden. - Doch Gott fügte es anders. Überall im Stadtgebiet wurden Gotteshäuser gebaut und in Steterburg dazu noch ein Kloster und Exerzitienhaus.


